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Entscheiden im Zeitalter von BigData & KI

Entscheiden im Zeitalter KI & Co.

Führungskräfte müssen regelmäßig Entscheidungen unter Zeitdruck, unsicheren und nicht immer berechenbaren Bedingungen treffen. Dabei gehen sie nicht uneingeschränkt rational vor. Sogenannte kognitive Verzerrungen sind eine häufige Ursache für schlechte Entscheidungen. Insbesondere in komplexen Entscheidungssituationen kommt es häufig zu Fehleinschätzungen und in der Folge u.a. zu falscher Prioritätensetzung. Die Kenntnis der zugrundeliegenden psychologischen Mechanismen kann Führungskräften dabei helfen, Fehlurteile und -entscheidungen zu minimieren.

Dr. Marcus Kind, Partner im Netzwerk der Healthcare Shapers, spricht im Interview mit der Digital Health Expertin Dr. Ursula Kramer über Verzerrungen in der Wahrnehmung und Irrtümer beim Treffen von Entscheidungen. Er hat viele Transformationsprozesse als Teambuilder und Innovationsmanager in der Medizintechnik und Health-IT-Branche begleitet und weiß um die große Bedeutung von Faktoren und Mechanismen, die unsere Entscheidungsfindung beeinflussen. Wie viele andere stellt auch er sich die Frage, wie sich diese Phänomene unterstützt durch digitale Entscheidungstools verändern werden, sehen wir zukünftig weniger Fehlurteile und -entscheidungen, weil die KI Entscheidern mehr Sicherheit bietet? 

Entscheidungen im Interesse des Unternehmens treffen 

"Fehlentscheidungen können enorme Kosten im Unternehmen verursachen. Jede Führungskraft sollte deshalb die grundsätzlichen neurobiologischen und psychologischen Mechanismen kennen, die bei der menschlichen Entscheidungsfindung ablaufen. In unserem Ausbildungssystem kommt die Vermittlung dieses Wissens leider viel zu kurz. Deshalb wende ich in meinen Interim Mandaten einen Teil meiner Zeit dafür auf, entsprechendes Wissen zu vermitteln und versuche, das Thema aus der Ecke zu holen. Meist hilft es schon zu verdeutlichen, dass ein wichtiger Teil von Management Entscheidungen auf intuitivem, erfahrungsbasiertem Wissen beruht, erklärt Dr. Kind.

Die Rolle der Selbsterkenntnis

"Eine wesentliche Voraussetzung für gute Entscheidungen ist zunächst einmal die Selbsterkenntnis, dass sich nicht alle betrieblichen Herausforderungen allein durch Berechnung und Kennzahlen lösen lassen. Das klingt einleuchtend. Die Praxis zeigt jedoch, dass sich viele Führungskräfte an Kennzahlen und Methoden festklammern, um sich abzusichern. Dabei verlieren sie die Strategie aus den Augen und treffen irrationale Entscheidungen. Beispielsweise suggerieren objektiv-rationale Methoden zur Rechtfertigung von Investitionsentscheidungen eine Sicherheit, die oft nicht gegeben ist. Entscheider müssen verstehen, wie sie sich in Entscheidungssituationen, in denen sie zu wenig Informationen für ein ausgewogenes Urteil haben, ihre unbewusste, durch Erfahrungen erworbene Intelligenz zielgerichtet zunutze machen," ist Marcus Kind überzeugt.

Digitalisierung - das Entscheiden wird nicht leichter 

"Die Entwicklungssprünge insbesondere bei KI-Systemen sind beeindruckend. Die rasante Entwicklung digitaler Tools führt jedoch auch dazu, dass wir uns zunehmend auf Algorithmen, Methoden und Kennzahlen verlassen und die Möglichkeiten digitaler Technologien überschätzen. In einem komplexen Umfeld mit hoher Ungewissheit ist es unmöglich, alle Risiken zu berechnen. Deshalb kann es manchmal zielführender sein, nicht rein rational nach der optimalen Entscheidung zu suchen, sondern schnell und intuitiv zu handeln. Jeder Manager muss sich die Frage stellen, in welcher Situation es sich lohnt, immer mehr neue Daten zu erheben. Intuition und individuelles Erfahrungswissen spielen aus meiner Perspektive eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung. Erfolgreiche Manager machen sich dies gezielt zunutze. Das wird auch in Zukunft ein entscheidender Pluspunkt bleiben," ist Marcus Kind überzeugt.

Mit Unsicherheit und Risiko umgehen - wie hilft KI?

KI wird einiges verändern. Sie kann dazu beitragen, die Qualität von Management Entscheidungen und die Effizienz von Entscheidungsprozessen zu erhöhen, da sie eine enorme Datenbasis nutzt und uns Wissen leichter zugänglich macht. In komplexen Entscheidungssituationen, die eher ungewiss und instabil sind, funktionieren Erfahrung und einfache Regeln (Heuristiken) aber oft ebenso gut oder sogar besser als Algorithmen. 

Nicht für jede Entscheidungssituation benötigen wir KI. Ich rate meinen Kunden deshalb, das menschliche Denken mit den technisch zur Verfügung stehenden Möglichkeiten in Einklang zu bringen.

Führungskonzepte der Zukunft - Vertrauen wird noch wichtiger 

Schon heute existieren leistungsstarke KI-Tools, die uns bei Entscheidungen unterstützen, zuverlässige Antworten zu finden. Für Führungskräfte bedeutet dies, dass sie sich neue Fähigkeiten und Herangehensweisen aneignen müssen. Die technische Expertise wird einen gleich hohen Stellenwert einnehmen wie die Fach- und Führungsexpertise. 
Systemisches Denken und Risikokompetenz wird stark an Bedeutung gewinnen. Daneben werden verstärkt Fähigkeiten gefragt sein, die Vertrauen und Zusammenarbeit fördern. Die effiziente Nutzung von Zeit wird zukünftig einen noch höheren Stellenwert einnehmen. Um schnell und flexibel auf Anforderungen reagieren zu können, sollte mehr Entscheidungskompetenz in die Organisation verlagert werden. 

Auch wenn es vielen Führungskräften schwerfällt: Dezentralisierung ist der bessere Weg, um die Entscheidungsqualität und -effizienz insgesamt im Unternehmen zu erhöhen.
 

Möchten Sie mehr lesen zum Thema "Richtig entscheiden"?

Die 4-teilige Artikelserie von Dr. Marcus Kind umfasst die folgenden Inhalte:

  • Richtig entscheiden
  • Verfügbarkeitsheuristiken
  • Optimismus-Verzerrung & Planungsfehlschluss
  • Framing

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Vielen Dank 

an Dr. Marcus Kind für diese spannenden Einblicke.

 

Bildquelle: pixabay, Gerd Altmann/geralt

Autoren des Beitrags

Dr. Marcus Kind

Dr. Marcus Kind is an international expert for commercial and operational development, serving different types of enterprise: multinational corporations, owner-operated groups, private equity firms. He brings a mix of cross industry experience including seventeen years in Medical Technology, Health Care, Health-IT, and Biotech. Dr.

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Dr. Ursula Kramer

Ursula Kramer is a Digital Health Expert who advises companies on successfully placing their innovations in the healthcare market, establishing sustainable business models for small and medium-sized pharmaceutical and medtech companies as well as for Startups.

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